Digital Services für smarte Gebäude

Von Fabian Reiß

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© Siemens AG

Wie unsere Gebäude mit Datenanalyse effizienter werden
Wie können Daten in der Gebäudetechnik optimal genutzt werden? Und welche Rolle spielen datengetriebene Services dabei? Im Interview haben wir Marc Richter, Head of Digital Services Sales bei der Siemens AG in Deutschland, Sponsor des DIGIHUB Südbaden, einige Fragen gestellt, um das Potenzial und die Möglichkeiten von smarten und zukunftsfähigen Gebäuden zu beleuchten.

DIGHUB: Herr Richter, was genau versteht man unter smarten Gebäuden?

Marc Richter: Am besten lässt sich das so auf den Punkt bringen: Im Gebäude ist eine Vielzahl von Sensoren und Aktoren, gebäudetechnische Systeme oder Anlagen verbaut – eben sehr viel Elektronik – die eine Menge an Daten produzieren. Diese werden entweder gar nicht oder nur in kleinen Teilen genutzt. Macht man diese Vielzahl an Daten aber zugänglich, können diese dazu beitragen, die Verfügbarkeit der verbauten Systeme und Anlagen sowie die Zufriedenheit der Nutzer zu erhöhen und die Effizienz des gesamten Gebäudes zu verbessern. Die Basis für all das ist eine sichere Verbindung zu einer Cloudplattform. Erst dadurch lassen sich die Möglichkeiten der neuen Technologien gewinnbringend anwenden.


DIGIHUB: Wie können aus der Menge an produzierten Daten Effizienz und damit Einsparungen gesteigert werden?

Marc Richter: Stellen Sie sich vor: Sie haben ein Energiedatenmonitoring, in dem Sie Ihren Energieverbrauch jeder Zeit einsehen können. Mit der Zeit stellen Sie fest, dass der Verbrauch deutlich höher im Vergleich zu ähnlichen Gebäuden ist. In einem klassischen Gebäude entfällt ein hoher Anteil des Energieverbrauchs auf die Heizungs-, Lüftungs- und ggf. Kälteanlagen. Relativ schnell stellt man sich die Frage, ob dort ggf. Energieeffizienzpotenziale schlummern und wie man dieses Potenzial nutzen kann. Genau hier können wir mit einer Analyse von gezielten Datenpunkten der Anlagen, die Ineffizienzen sichtbar machen. Über gewisse Algorithmen und Regelsets werden die Systeme permanent und rund um die Uhr überwacht. Durch regelmäßige Berichte wird aufgezeigt, wo die Anlagen nicht optimal ausgeregelt sind. Durch die Interpretation der Analyseergebnisse können dann Maßnahmen festgelegt werden, die den Energieverbrauch sinken lassen. Das würde eine finanzielle Einsparung bedeuten. Dieses Prinzip lässt sich auf alle Systeme der Gebäudetechnik wie beispielsweise Brandmeldesysteme, Zutrittskontroll- und Einbruchmeldeanlagen anwenden: Die Daten werden rund um die Uhr erfasst und auf Anomalien überwacht. Auf Basis der Daten werden Vorhersagen mit entsprechenden Wahrscheinlichkeiten getroffen, um letztendlich Verbesserungen im Gebäude zu tätigen.


DIGIHUB: Sind digitale Services auch für kleine und mittlere Unternehmen interessant und finanziell tragbar?

Marc Richter: Die Einsparungen und Ansätze für digitale Services sind bei komplexeren und größeren Anlagen mit Sicherheit höher, aber auch bei kleineren Anlagen lassen sich damit Mehrwerte erzielen. Besonders bei KMU ist es wichtig, dass die Investitionsgelder in die Kernwertschöpfung der Unternehmen fließen. Aus diesem Grund sind dort „as a Service“ Geschäftsmodelle interessant. Dabei wird die Nutzung der Anlage und nicht die Investition in den Mittelpunkt einer Modernisierung der Gebäudetechnik gestellt. In diesen Paketen sind dann meistens bereits digitale Services enthalten.


DIGIHUB: Wie können digitale Services helfen, Gebäude aus der Ferne zu monitoren und zu steuern, zum Beispiel, wenn aufgrund einer Situation – wie wir sie derzeit erleben – diese Tätigkeiten nicht mehr im Büro möglich sind, sondern aus dem Home Office durchgeführt werden müssen?

Marc Richter: In solchen Fällen können beispielsweise mit geringem Einsatz hochsichere und zertifizierte Verbindungen zu unserer Common Remote Service Plattform aufgebaut werden. Dadurch unterstützen wir Gebäudebetreiber bei der Bedienung der Anlagen und können eine Fehlerdiagnose oder sogar direkt die Entstörung vornehmen. Damit kann der Gebäudebetrieb auch in kritischen Zeiten und ohne externes Personal aufrechterhalten werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, dass bei einem kritischen Ereignis im System automatisiert ein Ticket in unserem Services Desk erzeugt wird. Dadurch werden alle benötigten Ressourcen zur Behebung des Problems koordiniert. Das heißt, auch in Abwesenheitszeiten kann die Anlagenverfügbarkeit sichergestellt werden. So etwas ist besonders bei kritischen Infrastrukturen relevant.

Marc Richter ist Head of Digital Services Sales bei der Siemens AG in Deutschland. Im Rahmen des Siemens Innovation Talk „Building the future today“ im März 2020 hat er auch zum Thema „Smart Building: Hype oder echter Mehrwert?“ berichtet. Das Video dazu ist hier verfügbar. Weitere Informationen zum Thema Digital Services unter www.siemens.de/digitale-services.

Siemens Smart Infrastructure (SI) gestaltet den Markt für intelligente, anpassungsfähige Infrastruktur für heute und für die Zukunft. SI zielt auf die drängenden Herausforderungen der Urbanisierung und des Klimawandels durch die Verbindung von Energiesystemen, Gebäuden und Wirtschaftsbereichen. Siemens Smart Infrastructure bietet ein umfassendes Portfolio aus einer Hand – mit Produkten, Systemen, Lösungen und Services vom Punkt der Erzeugung bis zur Nutzung der Energie. Mit einem zunehmend digitalisierten Ökosystem hilft SI der Gesellschaft, sich weiterzuentwickeln und leistet dabei einen Beitrag zum Schutz der Umwelt: SI creates environments that care. Weitere Informationen zu Siemens Smart Infrastructure unter www.siemens.de/gebaeudetechnik.