Produktion in Zeiten des Lockdown

Von Fabian Reiß

produktion
(Bild: MSC Technologies Systems GmbH)

Wie ein fertigendes Unternehmen seinen Betrieb in der aktuellen Situation komplett umgestellt hat
MSC Technologies Systems GmbH, Tochter des US-amerikanischen Avnet-Konzerns, ist einer der Konsortialpartner des DIGIHUB Südbaden. Als produzierendes Unternehmen im Bereich intelligenter Embedded- und Display-Lösungen für verschiedene Industrieanwendungen ist auch der Freiburger Standort von den Auswirkungen der aktuellen Situation betroffen. Im Interview berichtet Holger Herbstritt, Plant Director, wie die Niederlassung auf die Krise reagiert hat.

DIGIHUB: Herr Herbstritt, wie wirkt sich die aktuelle Lage auf MSC Technologies Systems GmbH als produzierendes Unternehmen aus?

Holger Herbstritt: Wir haben unseren Betrieb komplett auf diese Situation umgestellt. Alle Mitarbeiter*innen aus den indirekten Bereichen arbeiten im Home Office. In täglichen Telefonaten (jeweils morgens ca. 15 Min.) stimmen wir uns standortübergreifend ab, welche Maßnahmen wie umgesetzt werden und wie wir die Entwicklung der Situation beurteilen und wie wir uns darauf anpassen. Die Mitarbeiter*innen in der Produktion sind in Gruppen aufgeteilt, in denen Sie Ihre tägliche Arbeit verrichten und die Pausen machen. Dadurch wollen wir den Kontakt über diese Gruppen hinweg möglichst vermeiden. Dazu nutzen wir alle Besprechungsräume als Pausenräume, damit eine räumliche Trennung stattfinden kann. Den Korridor für die tägliche Arbeitszeit haben wir bis 22.00 Uhr ausgeweitet, damit die Mitarbeiter*innen die Möglichkeit haben, über Tage auch andere Dinge zu erledigen (Einkäufe, Kinderbetreuung, etc.).


DIGIHUB: Welche Maßnahmen haben Sie eingeführt und wie halten Sie Ihre Mitarbeiter informiert?

Holger Herbstritt: Neben der bereits genannten Durchführung von Home Office und der Trennung der Fertigungsgruppen, haben wir zahlreiche Maßnahmen zur Anwendung und Erläuterung der Hygienerichtlinien umgesetzt, wie beispielsweise der Fokus auf Distanzregeln sowie Verhaltensregeln zum Umgang mit Kontaktflächen und zur Reinigung von Kontaktflächen. Durch eine zyklische Reinigung wird die Desinfizierung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsmittel sichergestellt. Auch eine räumliche Trennung der Arbeitsplätze und Einsatz von Plexiglasscheiben sowie die Bereitstellung von einfachen Schutzmasken für die Mitarbeiter*innen in der Produktion, die nicht innerhalb einer fest eingeteilten Gruppe arbeiten können, sind wesentliche Aspekte. Das sind noch nicht alle Maßnahmen, die wir umgesetzt haben, aber ein Überblick zu den wichtigsten Punkten.
Die Mitarbeiter informieren wir über tägliche Besprechungen oder Telefonkonferenzen innerhalb der Abteilungen. Zusätzlich nutzen wir Monitore, die im Rahmen des DIGIHUB Südbaden Projektes „Walk of Digitization“ zur Information in der ganzen Firma installiert wurden, für Hinweise, Illustrationen, Videos und tägliche Updates.

DIGIHUB: Durch die Produktion von Baugruppen für Beatmungsgeräte ist MSC Technologies sehr gefragt: Welche Auswirkungen hat die Vervielfachung der Aufträge in diesem Bereich und wie kann MSC Technologies dies bewerkstelligen?

Holger Herbstritt: Wir versuchen durch Schichterweiterung, Aufstockung der Mitarbeiter*innen in diesen Produktsparten, Erweiterung des Korridors der täglichen Arbeitszeit und Mehrarbeit den erhöhten Stückzahlbedarf abzudecken. Darüber hinaus tätigen wir Investitionen um den Fertigungsprozess zu optimieren und so zu beschleunigen. Ebenso weisen wir in der Beschaffung der Rohmaterialien darauf hin, dass diese in systemrelevante Produkte fließen und in der aktuellen Situation eminent wichtig für die Produktion dieser Produkte sind.


DIGIHUB: Wie sehen Sie die kommenden Wochen für Ihre Produktion und die Zulieferungen dafür?

Holger Herbstritt: Aktuell können wir die Tragweite dieser Auswirkungen noch nicht vollständig abschätzen. Sehr viel hängt davon ab, wie lange der Lockdown anhalten wird. Je länger dieser andauert, desto mehr werden sich die Auswirkungen auf die Lieferkette auswirken. Bislang konnten wir noch den größten Teil aller Materialen beschaffen. Ebenso wird sich der Absatzmarkt an der Dauer des Lockdown ausrichten. Bislang haben einige größere Firmen ihre Produktionen gestoppt. Die Auswirkungen dazu halten sich noch in einem überschaubaren Rahmen und können geringfügig durch den erhöhten Bedarf an systemrelevanten Produkten ausgeglichen werden. Sollte der Lockdown länger andauern, werden auch wir uns auf die wirtschaftlichen Auswirkungen einstellen müssen.

gebäude