Digitale Weinproben in den DIGIHUB-Weinbaugebieten

Von Fabian Reiß

weinfässer

Wie Südbadens Weinbranche digitale Möglichkeiten als Chance ergreift
Die badischen Winzer im DIGIHUB-Gebiet nutzen virtuelle Weinverkostungen und trotzen damit den aktuellen Beschränkungen. Wir haben dazu ein paar Stimmen und Erfahrungen dazu aus den DIGIHUB Südbaden-Weinbaugebieten gesammelt. Was für eine Online-Weinprobe nötig ist und Tipps, wie man sie umsetzen kann, erfahrt Ihr hier:

Auch wenn virtuelle Weinproben nichts Neues sind, erleben sie doch gerade Hochkonjunktur! Sehr interessant ist an diesem Format, dass die Winzer*innen und Weinhändler*innen eine große Anzahl an Personen erreichen können. Die Teilnehmenden bestellen die Weinproben-Pakete zu sich nach Hause. Weißwein einkühlen, Gläser parat stellen und es kann losgehen. Ob über Facebook live, Youtube oder ein Videokonferenz-Tool, ob eher im lockeren oder eleganten Rahmen, ob im Weinkeller, im Weinberg oder der Vinothek – den Akteuren sind bei der Umsetzung kaum Grenzen gesetzt. Durch die digitalen Einblicke und die Vernetzung mit ihren Kunden können sich Weinbaubetriebe ganz neu präsentieren und aufstellen.

Wir haben uns dazu in den Weinbaugebieten des DIGIHUB Südbaden-Raums von der Ortenau bis ins Markgräfler Land mit verschiedenen Weinbau-Akteuren ausgetauscht, die gerade Online-Weinproben anbieten. Aktuell werden die Proben unglaublich gut angenommen. „Wir haben mit 40 Weinpaketen/Probeteilnehmer begonnen und sind nun bei 80+ angelangt“, berichtet Matthias Wolf, der Geschäftsführer des Weinguts Schloss Ortenberg in der Ortenau ist, Ende April. Die Kaiserstuhl-Tuniberg-Weinprinzessin Lea Tritschler, die die Idee hatte, Weine der 12 Kaiserstühler Winzergenossenschaften in einer Serie über Facebook zu präsentieren und zu verkosten und dieses Format gemeinsam mit der Kaiserstühler Wein-Marketing GmbH durchführt, berichtet von durchschnittlich 1000 Personen, die das Video anschauen. Eine sehr positive Einschätzung gibt auch Sven Vormann, Geschäftsführer der Markgräfler Weintheke, der Online-Weinproben schon seit 2018 anbietet.

Das gesamte Format braucht einiges an Vorbereitung, wie beispielsweise das Zusammenstellen der Pakete. Aber auch das Marketing ist sehr entscheidend, wofür Social Media-Kanäle, Websiten und Pressemeldungen genutzt werden. Ein entscheidender Punkt ist auch die richtige Technik und ein passendes Konzept, hebt Matthias Wolf hervor. Spannend ist, dass die digitalen Weinproben gleichzeitig auf mehreren Plattformen mitverfolgt werden können, wie es das Weingut Schloss Ortenberg und die Markgräfler Weintheke handhaben, wo über eine Streamingsoftware die Weinprobe parallel auf Facebook und YouTube zu sehen ist.

Über die Kommentarfunktion auf Facebook oder YouTube können die Teilnehmenden direkt Fragen stellen, die dann an passender Stelle während der Probe beantwortet werden, erklärt Matthias Wolf. Über Whatsapp können gezielt Fragen ins Studio der Markgräfler Weintheke gestellt werden. Einen weiteren Spezialeffekt bieten im Voraus produzierte Videos, die an passender Stelle eingespielt werden, um die Teilnehmenden virtuell mit in den Weinberg oder Keller zu nehmen und die dort aktuellen Aufgaben zu erklären. Diese Videos helfen genauso wie kurze Pausen bei einer längeren Weinprobe der durchführenden Person, eingegangene Fragen zu sammeln, um diese dann gezielt zu beantworten.

Einen großen Vorteil bieten Online-Weinproben dabei, neue Kunden zu gewinnen – und das, weil eine Online-Weinprobe ortsunabhängig ist. Nun können Interessierte aus Hamburg oder Berlin genauso an der Weinprobe teilnehmen wie Personen aus dem Nachbarort. Sogar international werden die Ortenberger Weinproben (und das auch ohne Wein) verfolgt und auch bei der Markgräfler Weintheke nehmen Personen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum teil. Eine weitere positive Entwicklung ist, dass die Social Media-Kanäle der Weingüter stärker frequentiert werden und der Absatz über die Webshops zunimmt.

Dieses Format hat spürbares Potenzial und wird für die Kundenbindung und das Erreichen neuer Kundengruppen über Social Media für die Weinerzeuger spannend bleiben. „Wir werden die Weinprobe und ähnliche Formate in Zukunft fest in unsere Kundenkommunikation integrieren“, macht Matthias Wolf deutlich. Auch am Kaiserstuhl und Tuniberg wird es künftig sicherlich mehr Online-Präsentationen von Weinen geben und auch die Markgräfler Weintheke erweitert ihre bereits geplanten Online-Events.

Welche Tipps gibt es für Winzer*innen, Weingüter und Weinhändler*innen, die auch mit digitalen Weinproben starten möchten? Matthias Wolf vom Weingut Schloss Ortenberg gibt den Hinweis, dass bei den Videoaufnahmen die Qualität entscheidend ist, wenn es darum geht, ein hochwertiges Produkt zu präsentieren. Daher sollte auf eine gute technische Ausstattung wert gelegt werden. Weinprinzessin Lea Tritschler nennt aus der Erfahrung ihrer Weinverkostungsserie, dass die Videos informativ, fachlich fundiert, unterhaltsam und vor allem authentisch sein sollen. Sich nicht abschrecken lassen und dieses Format einfach mal ausprobieren und „dabei immer wieder neues Verbesserungspotenzial entdecken“, gibt Sven Vormann als Empfehlung mit auf den Weg.

Insgesamt sind Online-Weinproben somit eine tolle Chance, sich digitaler aufzustellen, neue Kunden zu gewinnen und sich neu zu präsentieren – und das über Südbaden hinaus. Nutzt die aktuelle Dynamik und probiert es aus!

Eine Übersicht über einige der Winzer*innen, Weingüter und Winzergenossenschaften sowie Weinhändler*innen, die Online-Weinproben anbieten, findet Ihr beim Deutschen Weininstitut, bei Tourismus BW und bei Schwarzwald Tourismus.