Digitale Möglichkeiten in der Gastronomie in Zeiten von Corona

Von Dr. Julia Mohrbacher

Roman

Wie kann man sich als Gastro-Unternehmen gerade jetzt gut aufstellen für die Zukunft?
Roman Dobicki ist freiberuflicher Illustrator, Grafik- und Webdesigner. Viele seiner Kunden sind Gastronomie-Betriebe , die jetzt durch die Einschränkungen im Lockdown starke Einbußen hinnehmen müssen. Jedoch bietet diese Zeit auch besondere Chancen. Dazu haben wir mit Herrn Dobicki gesprochen.

DIGIHUB: Herr Dobicki, Sie sehen bei Ihren Kunden gerade auch deren große Schwierigkeiten. Was hat Sie besonders betroffen gemacht? Und was war die schönste Idee, die entstanden ist, um den Umsatz nicht ganz zu verlieren?

Roman Dobicki: Betroffen macht mich, dass viele Einzelgastronomien in eine existenzbedrohende Situation geraten sind und aktuell keine Möglichkeit haben, das ausbleibende Geschäft zu kompensieren. Die Einführung eines Abholservice oder Lieferservice ist sicher in der Zeit der Ausgangssperre eine gute Überbrückung und Ergänzung. Das große Geschäft der nun beginnenden Hauptsaison kann dies jedoch nicht kompensieren. Zudem kann der Lieferservice das Gefühl und die menschliche Interaktion nicht ersetzen. Den Biergarten im Sommer am Fluss und das kühle Bier dazu kann ich mir vorstellen. Die gleiche Stimmung wird aber vermutlich nicht aufkommen, wenn man das auf dem eigenen Balkon mit Videomeeting versucht. Natürlich ist diese Krise jetzt auch ein Anstoß für viele, neue Dinge zu versuchen. Ein Pubquiz im Videostream war eine sehr schöne Idee, die ich kürzlich erlebt habe. Natürlich ist auch das nicht mit dem realen Erlebnis gleichzusetzen. Die Stammgäste werden aber so weiter bei der Stange und im Geiste im Laden gehalten und das ist natürlich wichtig.


DIGIHUB: Viele Gastronomien sind ja dazu übergegangen, Essen, Getränke oder sogar Kochboxen zu liefern oder eine Möglichkeit zur Abholung zu stellen. Wie sehr mussten dazu Webauftritte etc. neu aufgesetzt oder angepasst werden? Und wird sich für die Betriebe auch nachhaltig etwas durch die stärkere Digitalisierung verändern?

Roman Dobicki: Das Wichtigste hier ist meinem Empfinden nach das Machen. Wenn man sich entscheidet, einen Lieferservice anzubieten, schreibt man einen Hinweis und die Telefonnummer und vielleicht noch eine angepasste Lieferkarte groß auf die Webseite. Einen eigenen Onlineshop einzurichten ist natürlich der nächste Schritt, um die Sache einfacher und zugänglicher zu machen. Einen solchen Shop kann man auch separat als Service buchen. Die Speisekarte wird dann mit Produktbildern eingespielt und das Ganze auf einer bestehenden Seite verlinkt. Die Gäste können dann wie beim Pizza-Service ihre Bestellung platzieren. Um eine größere Zahl von Bestellungen zu verarbeiten, ist das natürlich absolut sinnvoll und effizient und sicherlich auch für eine Zeit nach der Ausgangssperre eine sinnvolle Erweiterung des Angebotes.

Das Thema der Sozialen Distanzierung wird uns noch länger beschäftigen und es erscheint mir gut möglich, dass das öffentliche Leben erst wieder langsam anlaufen wird und man dann auch im Restaurant mehr Abstand halten muss.


DIGIHUB: Zudem sieht man, dass viele Tourismus- und Gastroeinrichtungen derzeit renovieren. Ist es nicht auch notwendig, genau jetzt sein digitales Abbild und seine Marke zu „renovieren“? Nehmen die Betriebe dies schon wahr und in Anspruch?
Was können diese Betriebe darüber hinaus derzeit in Ihren Augen tun, um sich für die jetzige Situation, aber vor allem auch für die Zeit danach, zu rüsten?

Roman Dobicki: Natürlich liegt das physische Renovieren erst mal nahe. Ich verstehe den Ansatz. Man konzentriert sich zuerst auf die gewohnten Bereiche.
Aber ganz richtig. Jetzt ist ein guter Anlass, über den aktuellen Auftritt nachzudenken. Wenn ich jetzt und über einen noch unbestimmten Zeitraum nicht die Möglichkeit habe, mit meinem Kundenkreis direkt in Kontakt zu treten oder wenn ich das vielleicht sogar in Zukunft noch eine Zeit lang nur eingeschränkt tun kann, ist es sinnvoll, den Leuten auf anderen Wegen näher zu kommen.

Was sind meine Produkte? Kann ich mein Angebot optimieren? Vielleicht und zwischenzeitlich für Lieferservice? Wie kann ich meine Webseite zugänglicher machen? Sind meine Infos aktuell, Funktioniert die Technik? Wie schön ist die Seite? Ist mein Markenauftritt überzeugend und konsistent. Kann ich den Menschen auch ohne, dass sie direkt vor Ort waren, Lust auf einen zukünftigen Besuch machen? Wie kann ich den Kontakt zu meinen Kunden halten und Interesse Wecken? Kann meine Social-Media-Auftirtt verbessert werden? Verkostungen oder Koch-Streams sind auch schöne Möglichkeiten. Vielleicht lohnt es sich sogar jetzt, da einige Beratungsleistungen staatlich unterstützt werden, mit einem Berater zusammenzuarbeiten, um die Ausrichtung des Betriebes anzupassen und zu optimieren.

Die Inanspruchnahme neuer Möglichkeiten erfordert natürlich, einen Schritt zu machen und machen zu können. Viele Betriebe sind nicht in der glücklichen Lage noch etwas Puffer zu haben und bangen um ihre Existenz. Ich bin natürlich nicht in der Position, jeden Einzelfall zu beurteilen und möchte mir das nicht anmaßen. Ich wünsche mir allerdings, dass alle, die die Möglichkeit habe, etwas wagen und ändern und Innovation machen.