Buzzwords: SCRUM - das Daily

Von Catharina Huf

Scrum

„SCRUM“ bezeichnet eine agile Vorgehensweise der Software Entwicklung. Im Rugby steht es für ein scheinbar chaotisches Gedränge, das jedoch sehr klaren Regeln unterliegt. SCRUM und das Agile Manifesto werden heute oft als Ausgang eines „agilen Hypes“ gesehen.

Was versteckt sich hinter diesen ganzen Begriffen aus SCRUM? Und wann und wie ist ein agiles Vorgehen nach SCRUM sinnvoll?

In der Blogreihe „Buzzwords: SCRUM“ stellen wir Euch nützliche Methoden und Arbeitsweisen aus SCRUM vor und versuchen, mit einigen Mythen aufzuräumen.

Heute: das Daily
Das Daily („Daily Scrum“) bezeichnet in SCRUM ein tägliches Teammeeting mit sehr festem Rahmen: gleicher Ort, gleiche Zeit, maximale Dauer von 15 Minuten (time-boxing). Einfach gesagt dient es dazu, dass das Team in 15 Minuten seine Arbeit für den Tag abstimmt. Was in der Realität jedoch nicht ganz so einfach ist…

Mythen

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass jedes Teammitglied im Daily „die drei Fragen“ zu beantworten hat:

 

Diese Fragen bieten eine gute Orientierung, um sich im Team abzustimmen. Allerdings können sie schnell dazu führen, dass statt einer echten Abstimmung die Teammitglieder reihum nur „Berichterstatten“ und schlimmstenfalls einen Statusbericht für das Management liefern. Das Ziel des Dailies scheint in diesem Fall eher, zu zeigen, dass man „seinen Beitrag leistet und viel arbeitet".

Hartnäckig kursiert auch der Mythos, dass ein Daily „nur straff moderiert sein muss“ damit das Team auch in der kurzen Zeit durchkommt. Das widerspricht jedoch dem Grundgedanken echter Selbstorganisation eines Teams. Diese kann nur funktionieren, wenn jedes Teammitglied bestrebt ist dazu beizutragen, dass das Team als Ganzes funktioniert. Ohne, dass eine einzelne Person für das Gelingen oder Scheitern der Zusammenarbeit bzw. des Dailies verantwortlich ist.

Welchen Mehrwert kann ein Daily bringen?

Ein regelmäßiges Daily kann helfen, den Abstimmungsbedarf des Teams in komprimierter Form zu klären, paralleles Arbeiten zu verhindern und eventuellen Unterstützungsbedarf zu identifizieren.

Es funktioniert, wenn…

die Teammitglieder sich vor dem Daily kurz Gedanken machen was bei ihnen am Tag ansteht und wozu sie Abstimmung im Team benötigen.Dabei ist wichtig, dass im Daily selbst nicht über Detailfragen diskutiert wird; meist ist für diese Klärungen auch nicht das gesamte Team erforderlich. Das Daily dient dazu, Aufgaben im Team - falls erforderlich - neu zuzuordnen und gemeinsamen Klärungsbedarf zu identifizieren („inspect and adapt“). Der feste tägliche Rahmen kann dabei den Aufwand zur Teamkoordination minimieren und spontan einberufenen Teambesprechungen, die aus der Arbeitskonzentration reißen, vorbeugen.

In Zeiten von HomeOffice durch COVID-19 kann ein Daily außerdem den Teamzusammenhalt stärken. Wichtig ist, dass das Team sich über eine veränderte Zielsetzung einig ist und gegebenenfalls den Rahmen des Daily anpasst (z.B. zusätzlich vor dem Daily 10min Teamaustausch, Kurz-Retro „Wie geht es uns mit der Remote-Situation“ oder ähnliches). Auf keinen Fall sollte der Zeitrahmen des Daily einfach auf unbestimmte Zeit ausgeweitet und diese Inhalte vermischt werden.

Catharina Huf ist zertifizierter SCRUM Master (PSM) und leitet an der Hochschule Offenburg den Standort Ortenau des DIGIHUB Südbaden.
Sie hält agiles Vorgehen für sinnvoll, wenn… „der Mehrwert und der methodisch-organisatorische Mehraufwand der Agilität in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen. Schwierig wird es, wenn Agilität als Deckmantel für planloses Ad-hoc-Vorgehen genutzt wird (‚Wir arbeiten doch agil!‘).“