Best Practice Sharing

Von Eveline Malcherek

Best Practice Sharing - Catrin Würger, Bodyfit by Catrin

Teil 1: Krise als Chance - Eine Fitness Trainerin geht online
Aus einer Krise Chancen generieren, indem man Kunden gewinnt, darüber berichtet Catrin Würger aus Hüsingen, die sich als Fitness Trainerin mit „Bodyfit by Catrin“ im September 2017 selbstständig gemacht hat und durch die Anordnung der Schließung aller Fitnessstudios und Trainingscenter im Zuge der Corona-Krise ihre Kurse in den digitalen Raum verlegt hat – mit unerwartetem Erfolg!

DIGIHUB: Catrin, vor welchen Herausforderungen standst du, als die Regierung diverse Richtlinien bezüglich der Corona-Krise verabschiedet hat, die auch den Fitness-Sektor betreffen und was waren deine Gedankengänge?

Catrin Würger: Ich machte mir bereits intensiv Gedanken über meine Kurse, bevor diverse Richtlinien für den Fitnesssektor verabschiedet wurden. Ich bin ehrlich, der Zwiespalt zwischen meinem Verdienstausfall und meiner gesellschaftlichen Verantwortung, den gab es auch. Irgendwann stellte ich mir beim „Kopf frei laufen“ aber diese eine einfache Frage: „Was ist richtig?“ Dann war der Entschluss für mich ganz klar - ich verlege meine Kurse komplett in den digitalen Raum. Natürlich musste ich mein Geschäftsmodell von Grund auf überdenken und meine Trainings massiv umstellen. Immerhin kann ich die Leute nicht vom Laptop aus korrigieren, meine Übungen mussten auch ohne Equipment für jeden ausführbar sein. Ich habe mich dann informiert, welche digitalen Möglichkeiten es gibt. Ganz klassisch habe ich erst einmal danach gegoogelt. In einer Zeit, wie dieser, muss man einfach agil und flexibel reagieren und eine Lösung suchen, denn aufgeben wollte ich nicht.

 

DIGIHUB: Welche Videokonferenz-Tools hast du verglichen und wie wird die Veränderung von in den digitalen Raum von deinen Kunden aufgenommen?

Catrin Würger: Ich wusste, dass es viele Videokonferenz-Tools gibt, wie z. B. Skype oder Webex. Entschieden habe ich mich dann für Zoom, da mir dieses Tool von einer Bekannten empfohlen wurde. Es gibt bei den Anbietern in der Regel Paketmodelle, aufbauend auf einer kostenlosen Version, kann auf das nächste kostenpflichtige Paket aufgestockt werden. Grundsätzlich muss man bei den diversen Tools prüfen, welches von der Struktur her am besten passt in Bezug auf Geschäftsmodell, Reichweite, Teilnehmeranzahl, Anzahl der Sessions allgemein, etc. Bezüglich der Details kann man sich aber auch an den DIGIHUB wenden, ihr seid ja beratend da, wenn Fragen zur Digitalisierung aufkommen.

Entgegen meiner ersten Befürchtungen, wurden meine Online-Kurse sehr positiv aufgenommen. Meine Kunden waren froh, dass es eine digitale Alternative gibt und niemand auf die Kurse verzichten muss. Natürlich habe ich meine Preise entsprechend angepasst, denn es entfällt z. B. ja auch die Raummiete, außerdem kann ich die Teilnehmer während des Trainings nicht vor Ort korrigieren. Hier sollte man natürlich fair sein und Lösungen für ein flexibles Geschäftsmodell entwickeln. Meine anfängliche Sorge war aber total unberechtigt – im Gegenteil: Ich konnte durch die Online-Kurse sogar mehr Teilnehmer generieren als gedacht. Beispielsweise sagen mir viele Mütter, dass ein Training über Zoom viel besser zu vereinbaren ist mit der Kindesbetreuung und der Tagesplanung. Manchmal macht sogar die gesamte Familie beim Training mit. Es freut mich natürlich sehr, dass meine Kurse im digitalen Raum so gut angenommen werden. Das bestätigt mich in meiner Entscheidung, mich genau jetzt digital aufzustellen.

 

DIGIHUB: Wie geht es nach der Krise weiter mit deinen Online-Kursen bzw. inwiefern wirst du dich digital erweitern?

Catrin Würger: Ich habe mittlerweile meine Kursanzahl aufgestockt und biete früh morgens auch 30-minütige Workout-Sessions an, welche enorm gut ankommen. Laptop an, in Zoom einwählen und los geht’s! Ohne Anfahrt, ohne Stress. Worüber ich mir derzeit Gedanken mache ist, dass ich grundsätzlich mein Geschäftsmodell, auch nach Corona, neben den üblichen „Live-Workouts“ um regelmäßige Online-Trainings aufstocke und meine Preismodelle auch entsprechend unterteile. Gerade im ländlichen Raum sind die Fahrtwege meiner Teilnehmer oft auch mal länger. Ich kann bei der Raummiete sparen und habe über diverse digitale Möglichkeiten eine noch größere Reichweite. Eine optimale Lösung für beide Seiten.

Die Entscheidung online Kurse anzubieten ist anfänglich aus der Not entstanden, nun wird eine Tugend draus. Es gab ja eigentlich nur zwei Antworten auf die aktuelle Situation: aufgeben oder lösungsorientiert denken – ich entscheide mich immer für Letzteres. Nun stellt sich mir aber immer öfter die Frage: Was geht noch alles durch nachhaltige Digitalisierung? Reichweite und Bewerbung über Social Media oder der Ausbau meiner Homepage sind da nur einige Gedankengänge, die ich momentan habe. Ich will da noch mehr für mich raus holen und gehe jetzt total digital!